„Gott als Eintrittskarte“ – Der Stadt Kurier als Missionar

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Der Neusser Stadt Kurier kommt, in seiner Ausgabe vom 03.02.13, zu dem Schluss „Wer seinem Kind also keinen Glauben mit auf den Lebensweg gibt, enthält ihm Lebensglück vor“.

Doch wie kommt Frank Möll, Chefredakteur und Autor des Kommentars „Menschen mit Glauben sind glücklicher“ zu solch einer Aussage? Sein Text fängt zunächst mit einem anderen Thema an. Möll schreibt, dass der größte Neusser Arbeitgeber nur Gott-Gläubige einstellt. Zwar machen die Augustinus-Kliniken scheinbar keinen Unterschied zwischen Christen, Muslimen und Juden, jedoch ist Monotheismus unbedingt erforderlich. Das finde ich absolut nicht in Ordnung. Das kirchliche Arbeitsrecht ist ein altes Thema in Medien und Politik. Immer wieder wird von gekündigten Homosexuellen berichtet. Von Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, weil sie ein zweites Mal heiraten wollen und vielen weiteren Fällen. Möll fragt weiter, ob das Arbeitsrecht der Kirchen zu hart und diskriminierend ist. Die einzige mögliche Antwort hierauf: JA!

Es wird endlich Zeit, dass wir dieses Recht beschneiden. Was wir in Deutschland brauchen, ist eine vernünftige Trennung von Kirche und Staat. Eine Säkularisierung nach dem Vorbild Frankreichs.

Dann macht der Artikel einen Sprung. Psychologische Studien hätten bewiesen, „dass Menschen mit einem Glauben an Gott glücklicher sind als Heiden“. Wo ist der Zusammenhang? Wer sind eigentlich „Heiden“? Was hat das mit dem vorher erläuterten Arbeitsrecht der Kirchen zu tun? Was mit der Situation der über 4.000 Beschäftigten der Augustinus-Kliniken? Sind diese etwa glücklicher, weil sie vielleicht einen Gott-Glauben auf dem Papier vorgaukeln müssen, nur um ihren Job nicht zu verlieren? Weil sie ihre sexuelle Orientierung verbergen, nur um nicht in den finanziellen Ruin gestürzt zu werden?

Richtig, es hat gar nichts damit zu tun. Das ist dem Autor aber auch egal. Er will lediglich den Glauben preisen. Er will darstellen, dass der Glaube an Gott nicht nur ein Garant für einen sicheren Arbeitsplatz in Neuss ist, sondern obendrein auch glücklich macht.

Doch stimmt das? Macht der Glaube an Gott glücklich? Wo sind die Studien? Wer hat sie erstellt? Ich glaube weder an Gott, noch an Studien, wenn sie nicht einmal namentlich erwähnt werden. Was mich am meisten an Mölls Aussagen stört ist, dass er agnostischen, atheistischen und polytheistischen Eltern direkt vorwirft, sie würden das „Lebensglück“ ihrer Kinder von Anfang an vermindern. So ein Unsinn. Wer sein Kind tauft, erreicht dadurch nur eins: Er beschneidet die Freiheit des Kindes!

Welcher Täufling wird schon gefragt, ob er Mitglied in einer Kirche werden möchte? Mich hat die Taufe nichts gekostet. Doch wollte ich sie nicht und ein Kirchenaustritt soll mich in NRW auch noch 30 Euro kosten? Ich bin nicht glücklich mit der Entscheidung meiner Eltern, eher das Gegenteil…

Viele evangelische Freikirchen halten es da schon besser. Wer erwachsen ist und sich frei für einen Glauben entscheidet, soll diesen auch gerne annehmen. Er darf und wird auch mit seinem Glauben glücklich. Denn nur der freie Mensch, der seine eigenen Entscheidungen treffen kann, kann auch glücklich sein. Wie heißt es so schön: Jeder ist seines Glückes Schmied. Nicht die Eltern, nicht der Pfaffe!

Die „Glücklichen“ in der Studie werden wohl nur glauben sie seien glücklich, weil sie in einem festen System einen Platz haben. Weil sie sich einer Obrigkeit unterordnen und sich scheinbar in sicheren und geordneten Verhältnissen befinden. Die ZEIT hat vor einigen Wochen einen sehr guten Artikel zum Thema veröffentlicht. In „Die falsche Rückkehr zur Religion“ vom 28.12.2012 heißt es: „Was derzeit fehlt, ist ein Plädoyer für den Zweifler und den Suchenden. Denn er ist der sympathischste, ehrlichste und am wenigsten anmaßende Menschentypus. Nur wer meint, im Dienste des Absoluten zu stehen, ist intolerant und gefährlich“ und glaubt glücklich zu sein.

Beitrag auf der Titelseite des Neusser Stadt Kuriers vom 03.02.2013

Beitrag auf der Titelseite des Neusser Stadt Kuriers vom 03.02.2013

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2 Gedanken zu „„Gott als Eintrittskarte“ – Der Stadt Kurier als Missionar

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