„Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist..“

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„…es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt“ Dieser Auszug aus einem der bekanntesten Lieder von den Ärzten könnte auch jetzt wieder das Motto großer Teile der Welt sein. Aus allen Ecken hören und lesen wir von Demonstrationen und Aufständen. Sei es die Gezi-Park-Bewegung in der Türkei oder die Protestbewegung in Brasilien. Überall gehen die Menschen auf die Straße, um ihrem Unmut Luft zu verschaffen. Doch im Unterschied zum arabischen Frühling, handelt es sich nicht um revolutionäre Bewegungen, die ihre Systeme stürzen und die Demokratie einführen wollen. Nein, sowohl die Türkei als auch Brasilien, sind bereits demokratische Staaten.

Die Menschen werden laut, weil sie etwas verändern wollen. Sie wollen mehr Demokratie, mehr Teilhabe und mehr Partizipation. In der Türkei wollen sie den „Ausverkauf“ ihres Landes aufhalten. Sie wollen die befürchtete Islamisierung verhindern und die Demokratie gegenüber einem abhebenden Ministerpräsidenten verteidigen. In Brasilien reichen die Forderungen von einer besseren sozialen Absicherung über mehr Krankenhäuser und Bildung bis hin zu einem Stopp der Geldverschwendung für Großereignisse, wie der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr.
Auch aus Ägypten hören wir von erneuten Protesten gegen politische Entscheidungen des (demokratisch gewählten) Machthabers Mursi. Die Medien hierzulande haben zeitweise keine Kapazitäten mehr, um über die Vorgänge in der Welt ausführlich zu berichten. So scheint es zumindest, wenn die Meldungen aus Istanbul langsam verebben und sich das Augenmerk auf Rio und Brasilia legt. Obwohl zeitgleich die Menschen aus Istanbul berichten, dass die Polizeigewalt kein Ende nimmt.

Die ganze Welt scheint in Bewegung. Jeder hat eine Meinung. Überall wird aufgestanden und die Stimme erhoben. Das ist gut und richtig. Aber woher nehmen die Demonstranten die Kraft? Den Willen sich gegen die Missstände in ihrem Land aufzulehnen. Auch auf twitter und facebook ist ein Wandel spürbar. Ein Generationswechsel. Es kommt nicht darauf an, aus welchem Land man kommt. Welcher Religion oder sozialen Schicht man angehört. Es ist etwas größeres spürbar. Der Wille alte Strukturen aufzubrechen. Dieser Wille ist überall gleich. Eine Solidarisierung mit anderen Protestbewegungen ist daher nur naheliegend.

Doch, was ist bei uns in Deutschland? Geht es uns hier zu gut? Haben wir keine Gründe mehr auf die Straße zu gehen? Versteht mich nicht falsch. Ich bin mir sicher, dass Türken, Brasilianer, Ägypter und viele andere weitaus mehr Gründe haben, als wir in Deutschland. Aber wir sollten uns fragen, ob bei uns alles in Ordnung ist. Ob wir nicht auch ein klein wenig die Welt verändern müssten. Bevor wir uns eingestehen, dass es eben doch unsere Schuld ist. Dass wir nichts getan haben. Stuttgart21 war so ein Grund. Doch es gibt mehr. Um es mit Jean Paul Sartre zu sagen: “Wenn Ihr Eure Augen nicht gebraucht, um zu sehen, werdet Ihr sie brauchen, um zu weinen.” 

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