Neue App des Ministeriums für Landwirtschaft soll Bienen füttern

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BM Schmidt (CSU) präsentiert die neue "BienenApp"  Quelle: BMEL
BM Schmidt (CSU) präsentiert die neue „BienenApp“
Quelle: BMEL

Bienen sind von essenzieller Bedeutung. Nicht nur für das Ökosystem, sondern vor allem auch für unsere Ernährung. Bienen liefern uns nicht nur Honig, sondern sind auch für einen großen Teil anderer Nahrungsmittel verantwortlich. Als Bestäuber brauchen wir Bienen zum Beispiel für den Anbau von Mandeln, Äpfeln, Kirschen, Gurken und vielen anderen Obst- und Gemüsesorten.

Doch leben die Bienen heutzutage sehr gefährlich. Viele verschiedene Faktoren sorgen immer wieder für ein Massensterben bei den kleinen Helfern der Landwirtschaft. Parasiten und Krankheiten aus Asien befallen bereits den Nachwuchs der Honigbiene, während Pflanzenschutzmittel ihr Immunsystem schwächen oder zu Mutationen führen. Immer weniger Wildblumenwiesen und die weitläufigen Monokulturen in der konventionellen Landwirtschaft führen zu immer weniger Futterquellen für alle nektarsammelnden Insekten.

Völlig zu Recht und besser spät als nie hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sich nun den Schutz der heimischen Honigbiene auf die Fahnen geschrieben und am 15. April 2014 die Initiative „Bienen füttern“ gestartet. Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (CSU) will es den Verbrauchern jetzt einfacher machen „bienenfreundliche Pflanzen im Geschäft zu erkennen“. Außerdem will er „die Bevölkerung für die Bedeutung der Bienen sensibilisieren und Ängste nehmen“. Jung, modern und innovativ wie das Landwirtschaftsministerium nun mal ist, wurde gleich eine Menge Steuergeld in die Hand genommen, um damit eine App zu entwickeln.

Die App

„BienenApp“ heißt die bahnbrechende Informationsquelle aus dem BMEL und ist für alle gängigen Smartphones verfügbar. Da das Ganze nach einer guten Sache klingt, habe ich mir die App heute einmal genauer angesehen und getestet. Die unnötigen Zugriffsrechte auf verschiedene Netzwerkfunktionen werde ich an dieser Stelle einmal außen vor lassen.

Am Design gibt es grundsätzlich nichts auszusetzen. Es ist im Wabendesign optisch ansprechend. Die Startseite ist bedienerfreundlich mit übersichtlichen sechs Kategorien: Bienenquiz, Bienenwissen, Pflanzenlexikon, Impressum, „Bee my friend“ und „Meine Abzeichen“, sowie einer Funktion zum „teilen“ der App.

Das Bienenquiz ist eine gute Idee, um Laien spielerisch ein paar Grundkenntnisse über Bienen zu vermitteln. Ebenso behandelt die Kategorie „Bienenwissen“ einige grundlegende Informationen über die Honigbiene und ihre wilden Verwandten. Leider wird hier scheinbar die Gewichtung nicht auf das eigentliche Thema gelegt. Denn Informationen über die Bestäubungsarbeit der Biene kommen erst als letztes Thema in der dritten Kategorie „Zusammenarbeiten – Was leisten Bienen für uns?“ vor.

Startansicht der "BienenApp"
Startansicht der „BienenApp“
Kernaussage der Initiative: Ohne Bienen keine Bestäubung
Kernaussage der Initiative: Ohne Bienen keine Bestäubung
Die vier Wissenskategorien
Die vier Wissenskategorien

Neben dem Quiz und den Informationen findet sich auch ein Pflanzenlexikon. Es soll dem Nutzer bei der Bepflanzung seines Gartens oder Balkons eine Hilfe sein. 100 Pflanzenarten sind hier aufgeführt. Vorgestellt werden neben (lateinischen) Namen und Foto auch der ideale Standort, Blütenfarbe, Blühzeit, Nektar- und Pollenvorrat und eine kurze Beschreibung. Mit bis zu vier kleinen Bienchen wird die Attraktivität für Bienen angegeben. Auch steht oben rechts eine Filter-Funktion zur Verfügung, mit der man sich zum Beispiel alle Pflanzen anzeigen lassen kann, die im Schatten wachsen, oder besonders attraktiv für Bienen sind. Grundsätzlich ist das Pflanzenlexikon eine sehr gute Idee. Es hat nur einige Nachteile, welche man mit einem Update sicher leicht beheben könnte. Zum Einen sind die Fotos der Pflanzen oft schlecht gewählt, sodass man auch als Botaniker Schwierigkeiten bekommt, die jeweilige Pflanze zu identifizieren. Zum Anderen ist die Auswahl der Pflanzen mangelhaft. Man merkt, dass das Ministerium hier mit dem Verband Deutscher Garten-Center e.V. (VDG) zusammen gearbeitet hat. Es werden viele exotische Pflanzen vorgestellt. Schöner wäre es allerdings gewesen den Schwerpunkt auf einheimische Pflanzen zu setzen. Auch fehlen Nutzpflanzen fast vollständig. Warum nicht auch mal Kürbisgewächse, Zwiebeln, Beerensträucher oder diverse Kräuter vorstellen. Diese nutzen nicht nur den Bienen, sondern auch uns selbst. Die Zusammenarbeit mit NaBu oder BUND wäre hier ratsamer gewesen, als ein wirtschaftsnaher Verband. Zudem läuft die App nicht sehr flüssig, wenn man das Pflanzenlexikon bedient.

Das Quiz enthält teilweise interessante Fragestellungen, dafür oft eine schlechte Bildauswahl
Das Quiz enthält teilweise interessante Fragestellungen, dafür oft eine schlechte Bildauswahl
Die Informationen über die Pflanzen sind auf das wesentliche beschränkt. Die Bilder allerdings nur vereinzelnd hilfreich
Die Informationen über die Pflanzen sind auf das wesentliche beschränkt. Die Bilder allerdings nur vereinzelnd hilfreich
Die Filterfunktion im Pflanzenlexikon ist hilfreich, ihre Bedienung jedoch gewöhnungsbedürftig
Die Filterfunktion im Pflanzenlexikon ist hilfreich, ihre Bedienung jedoch gewöhnungsbedürftig

Die Kategorien „Bee my friend“ und „Meine Abzeichen“ sind dagegen absolut überflüssig und höchstens ein schlecht umgesetztes Gimmick für kleinere Kinder. Bei der Ersten lässt sich ein eigenes Foto mit einem kitschigen Rahmen im Design der App „verzieren“. Zur Auswahl stehen neben Blumen- und Wabenmotiv auch die Modelle „Bienenkönig“ und „Bienenkönigin“. Bei der Zweiten kann man sich seine Abzeichen betrachten. Eine Art digitaler Medaillen, welche man zum Beispiel für das hundertprozentige Lösen des Quiz erhält.

Alles in allem sind die Idee dieser Initiative und die dazugehörige App sehr wichtig und begrüßenswert, doch die Umsetzung ist eher dürftig. Die Informationen über Bienen und Pflanzen liefern auch Wikipedia und Google. Neben dem ganzen überflüssigen Kitsch bleibt also nur noch das Quiz und da stellt sich die alte Verhältnisfrage zwischen dem Nutzen und den eingesetzten Steuergeldern. Ich befürchte auch, dass das Landwirtschaftsministerium hier nicht primär die Aufklärung der Bürger beabsichtigt. Ich vermute eher, dass man mit dieser Initiative von zahlreichen Fehlentscheidungen der Vergangenheit ablenken möchte, die zum Nachteil der heimischen Insektenfauna gefällt wurden.
Denn die Ministerien traten in erster Linie als Feinde der Bienen auf. So zum Beispiel mit immer wieder vorschnell getroffenen Entscheidungen zu Pflanzenschutzmitteln. Der letzte größere Fall ereignete sich Mitte 2008, als das Ministerium für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) den Wirkstoff „Poncho“ aus dem Hause Bayer erst stoppte, als es bereits tausende Bienenvölker in Bayern und Baden-Württemberg vernichtet hatte. Sich nun seitens der Regierung als Bienenschützer hinzustellen, hat also einen leicht heuchlerischen Beigeschmack, aber da kann sich jeder selbst ein Urteil bilden.

Die App ist für IOS, Android und Windows Phone kostenlos erhältlich. Weiterführende Informationen finden sich auf den Seiten des Ministeriums.

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