Die Meinungsfreiheit des Herrn Möll und sein unerbittlicher Glaube an die katholische Kirche

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Die Auseinandersetzung mit dem Neusser Stadt Kurier, insbesondere mit seinem Chefredakteur Frank Möll, ist mühselig. Dennoch ist sie wichtig. Der Stadt Kurier versteht sich selbst als „Presse“ und als solche muss er sich hier bedauerlicherweise wieder meine Kritik anhören. Auch das gehört zur Meinungsfreiheit.

In seiner letzten Ausgabe vom 18. Januar 2015 geht es wiedereinmal um ein religiöses Thema auf der Titelseite. Neben dem, verdächtig nach Kirchenzeitung klingenden, Aufmacher „Kirchen wieder voll: Katholiken melden sich eindrucksvoll zurück“ findet sich links der Kommentar des „Chefs“. Was dort geschrieben steht bedarf eines gründlichen zweiten Blicks. Handelt es sich zwar um die ganz persönliche Meinung Frank Mölls, ist es dennoch bezeichnend für eine lange und nicht enden wollende Leitthematik der „meistgelesenen Neusser Zeitung“. (Siehe auch: „Gott als Eintrittskarte – Der Stadt Kurier als Missionar“)

„Lieber Gott!

Cornel Hüsch vom Neusser Katholikenverband sagt, dass Du und Allah identisch sind. Ich weiß es nicht.“

Es mag sein, dass dem „gläubigen Katholiken“ Frank Möll schon mal das Eine oder Andere in seiner Kirche entgeht, doch zum Glück kann ihm geholfen werden. Im Zweiten Vatikanische Konzil verkündete der damalige Papst Paul VI. im „Nostra Aetate“ im Jahre 1965 die Nähe zwischen Allah und dem katholischen Gott. Auch in Paragraph 841 des Katholischen Katechismus werden Allah und Gott gleichgesetzt. Dort heißt es: „Die Heilsabsicht umfaßt aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslime, […] und mit uns den einzigen Gott anbeten“.

„Ich glaube auch nicht, dass die Muslime den katholischen Gott wollen, der von uns Christen mies durch den Dreck gezogen, dauernd verraten, gefoltert und gekreuzigt wird.“

Wenn ich mich richtig erinnere, war es Gottes eigener Wunsch „verraten, gefoltert und gekreuzigt“ zu werden.

„Ich weiß nur, dass wir alle Religionen respektieren sollen. Mein Freund Msgr. Joachim Schroedel, ein Pastor in Kairo, bittet uns Journalisten darum, den Propheten nicht zu beleidigen. Der Papst findet die Arbeit von Charlie H. auch nicht gut. Christen in Afrika müssen sterben, weil Journalisten in Europa ständig Mohammed herabsetzen wollen.“

Im Ernst jetzt?? Herr Möll gibt seiner eigenen Zunft die Schuld am Morden in Afrika? Welche Werte vertritt Herr Möll eigentlich? Meinungsfreiheit und die Freiheit der Satire können es, nach solch einer Aussage, wohl kaum sein. In diesem Zusammenhang kann gut der Hamburger Autor Simon Urban zitiert werden. Auf ZEIT-Online schreibt er, dass Satire wirklich alles darf, „weil schon die minimalste Selbstzensur das ganze Prinzip der Satire sofort zum Einsturz brächte“.
In Afrika müssen übrigens nicht nur Christ*inn*en sterben, sondern Alle, die nicht den Vorstellungen einiger weniger Extremist*inn*en entsprechen.

„Christen sind da unempfindlicher, vielleicht dumpfer. Ihnen ist es egal, wenn sexy Weiber sich Wieverfastelovend als Ordensschwestern verkleiden und mit Strapsen und zerrissenen Strumpfhosen im Suff Männer aufgeilen.“

Ich bin mir sehr sicher, dass es auch Christ*inn*en gibt, die sich über Karnevalsverkleidungen als Ordensschwester echauffieren. Es gibt nämlich auch Muslime, die sich über Satire und Kritik an ihrem Glauben nicht echauffieren. Was Herr Möll macht ist stumpfsinniges Hervorheben seiner Religion. Er wertet das Christentum und seine Glaubensgenossen auf, indem er letzteren mehr Gelassenheit unterstellt.
Als Feminist unterstelle ich an dieser Stelle Herrn Möll allerdings Sexismus und Diffamierung weiblicher Karnevalistinnen als „sexy Weiber“.

„Natürlich bin ich für Freiheit.“

Offenkundig nicht….

„Die CDU- und SPD-Politiker aus Neuss, die jetzt in Düsseldorf gemeinsam mit einer kleinen Gruppe Islam-Faschisten, Kommunisten und der linken Antifa für Meinungs- und Pressefreiheit sowie Demokratie demonstrieren, sollten auch bei sich in Neuss für diese wichtigen Grundlagen unseres Staates kämpfen. Sie tun oft das Gegenteil, ich schwöre!“

Ok, ich bin wirklich geschockt. Ich hab diesen Absatz wirklich oft lesen müssen. Er widert mich immer noch an!
Ich würde von Herrn Möll eigentlich gerne wissen, mit welchen „Islam-Faschisten“ und Kommunisten die Neusser CDU- und SPD-Politiker*innen gemeinsam auf die Straße gegangen sein sollen. Und was sind überhaupt „Islam-Faschisten“? Und überhaupt: Sieht Herr Möll nicht das Paradoxon in seiner Aussage, wenn er behauptet, dass „Faschisten“ für Freiheiten und Demokratie demonstriert haben sollen?
Die Tatsache, dass sich Politiker*innen (nicht nur) von CDU Neuss und SPD Neuss an den Düsseldorfer Gegendemonstrationen zu „DÜGIDA“ beteiligt haben, ist absolut begrüßenswert. In Neuss haben es die Menschenfeinde aus dem rechten Spektrum bisher nicht auf die Straße geschafft. Das ist gut so. Es erklärt aber nicht, warum Neusser*innen nicht ihre Nachbarstadt auf der anderen Rheinseite unterstützen sollten.
Auch wenn Herr Möll selbst vor einem Schwur nicht zurück schreckt, bin ich fassungslos über seine Aussage, dass unsere demokratischen Neusser Politiker*innen aktiv gegen Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Demokratie agieren würden. Es ist mir in der Härte seiner Wortwahl nicht bekannt, dass dies zu irgendeinem Zeitpunkt in Neuss geschehen sein soll.

Ein kleiner funfact und Seitenhieb an den ach so gläubigen Herr Möll: In der Bergpredigt heißt es bei Matthäus Kapitel 5 Vers 34: „Ich aber sage euch, daß ihr überhaupt nicht schwören sollt, […]“ und weiter in Vers 37 „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“ Ich bete, dass Gott der Herr und Hirte seinem sündigen Gläubigen und Schaf vergibt.

Weiter im Text:

„Übrigens: Die Pegida-Leute widern mich an. Ein Bauchgefühl.“

Das freut mich wirklich. Wenn Herr Möll sich die Mühe machen würde meinen letzten Artikel zu PEGIDA zu lesen, könnte er aus seinem „Bauchgefühl“ auch eine Argumentation entstehen lassen.

„Ich bin aber dennoch dafür, sie demonstrieren zu lassen. Dieses Recht ist uns heilig. Wir alle sollten danach streben, anständig miteinander umzugehen. Und dazu gehört auch, notleidenden Flüchtlingen zu helfen.“

D’accord.

„Allerdings ist auch wahr: Viele, die offiziell gegen Pegida sind, Festreden von Cornel Hüsch und anderen (halbherzig) beklatschen, sagen im persönlichen Gespräch etwas ganz anderes.“

Wenn das wirklich wahr ist, dann wäre das doch ein wirklich interessanter Ansatzpunkt für echten Journalismus. Wenn Herr Möll sich der wahrheitsliebenden Presse verschrieben hat, dann wäre genau das die Thematik, die er in einem Kommentar oder Leitartikel verfolgen könnte. Wenn er echte Informationen zu den politischen Ansichten der Neusser Polit-Prominenz hat, dann ist es seine journalistische Pflicht diese den Wähler*inne*n zu offenbaren. Aber wahrscheinlich schweigt er, um persönliche Beziehungen und eigenen Vorteil nicht zu gefährden. Schade.

„Lieber Gott, führe uns zum Frieden!“

„Gottes Friede“ ist nach allen Theologen nicht von dieser Welt. Den Frieden auf Erden, können nur wir selbst schaffen.

Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge darauf warten, dass Gott sich darum kümmert.
– Martin Luther King

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2 Gedanken zu „Die Meinungsfreiheit des Herrn Möll und sein unerbittlicher Glaube an die katholische Kirche

  1. Interessanter Beitrag. Abgewogene Wortwahl. Gute Argumentation. Sachliche Erläuterungen. Zur Position: ‚Satire darf alles‘ verweise ich auf meinen Beitrag zu diesem Thema http://www.dasmili.eu/art/eine-frage-des-milieus-braucht-satire-die-zensur/#.VMUtUCx0m00 und die grundsätzlichen Aussagen von Prof. Küng, welche ich auszugsweise auf meine Facebookseite stellte.
    Was mich interessiert: Wer ist die kluge Schreiberin bzw. der er kluge Schreiber, oder benötige ich eine Sehhilfe.

    HG Albert Wunsch

  2. Vielen Dank für das Kompliment Herr Wunsch.
    Verzeihen Sie mir bitte, es gibt momentan irgendwelche Probleme mit der Seite, auf der ich mich als Autor hier vorstelle. Mein Name ist Navid Linnemann. Ich hoffe die technischen Probleme bald wieder in den Griff zu bekommen. Allerdings kann man auch rechts bei den Buttons auf mein Facebook-Profil und auch auf die Profile bei twitter, pinterest und instagram.
    LG Navid Linnemann

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