Asyland – Die menschliche Perspektive

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Titelbild: (c) cocktailfilms

Please find english version below!

Die Debatte läuft seit fast einem Jahr. „Flüchtlingsströme“, „Massen-Einwanderung“ und „Asyl-Flut“ sind ihre schärfsten Auswüchse. Während emotional immer weiter aufgerüstet wird, macht der Dokumentarfilm Asyland auf das wichtigste Problem in der Diskussion aufmerksam.

Von Flüchtlingen und Asylanten,
Asylbewerbern und Migranten,
so viele Namen – (k)ein Gesicht.
Von Dritten, Fremden, Unbekannten…
Allein von Menschen
spricht man nicht.

Michael Fenske

Der größte Fehler unserer Diskussion über Flüchtlinge besteht darin, dass wir eben über Flüchtlinge reden und nicht mit ihnen. Ein junges Team um den Studenten Çağdaş Yüksel hat das geändert. Im vergangenen Jahr drehten und veröffentlichten sie ihren Film Asyland (hier geht’s zum Trailer), der den Zuschauern vier Menschen zeigt, die erst vor Kurzem in Deutschland ankamen.

Die Filmemacher setzen dabei bewusst auf Vielseitigkeit. Ihre Dokumentation zeigt Mönchengladbach, Berlin und Stuttgart. Die Protagonisten sind Geflüchtete aus Palästina, Ägypten, Syrien und Tunesien, aber auch ein Abgeordneter des Bundestages, zwei Schauspieler und der Comedien Fatih Çevikkollu kommen zu Wort.  Szenen aus dem Alltag in einer Mönchengladbacher Flüchtlingsunterkunft werden genauso gezeigt, wie ein Picknick mit ehrenamtlichen Helfern auf dem Gelände des ehemaligen Flugfeldes Tempelhof. Man beobachtet die Angekommenen bei ihren ersten Versuchen im Deutschunterricht, erfährt von der Mühseligkeit bei der Jobsuche und freut sich mit ihnen, wenn sie zumindest einen Praktikumsplatz gefunden haben.

Immer wieder werden Ausschnitte aus den Interviews mit ihnen gezeigt. Siham Al Mashhour berichtet von ihrer Zeit und dem Leid im syrischen Gefängnis. Haythem Dabeba schildert eine brenzlige Situation mit „besorgten“ Jugendlichen, aus der er nur knapp entkommen konnte. Die Erlebnisse von Khalil Aziz sind erfreulicher. Er hat in Berlin neue Freunde gefunden und bezeichnet das kleine Weihnachtsfest mit ihnen als den schönsten Tag in seinem Leben. Der Film bringt den Zuschauer an manchen Stellen sogar zum Lachen. Beispielsweise, wenn George Awad von seiner „Nazi“-Nachbarin erzählt, die er einfach zum Kaffee einlud und mit der er sich seitdem gut unterhalten kann.

Asyland bedient sich zweifelsfrei der Emotionen seiner Zuschauer. Der Film ist nicht sachlich und nüchtern. Er ist keine Ja-Aber-Produktion. Kein verzweifelter Versuch Vorurteile von rechten Menschenfeinden zu widerlegen. Er zeigt lediglich Deutschland aus der Sicht von Geflüchteten. Er ist schlicht und einfach menschlich. Und genau das ist seine Stärke.
In einer Szene spricht George Awad von zwei Welten in unserem Land. Zwar leben Flüchtlinge in Deutschland, jedoch so weit von der deutschen Bevölkerung entfernt, dass sie in ihrer eigenen Welt eingeschlossen sind. Der Film reißt die Wand ein, die diese beiden Welten trennt. Im nächsten Schritt müssen die Menschen aus beiden Welten nur noch aufeinander zugehen.

Das Filmprojekt Asyland wurde durch Spenden finanziert. Das Team tourt durch Kinos, Schulen und Universitäten. Meistens mit freiem Eintritt. Auf der Internetseite findet man die nächsten Termine und einen Trailer. Ebenso kann hier eine DvD erworben werden. Auch ein Besuch auf der Facebookseite lohnt sich.

english version (thanks to Christoph):

Asyland – The human perspective

The debate has been going on for almost one year now. „Refugee-currents“, „mass-immigration“ and „asylum-flood“ are some of the stronger metaphors being used. While the participants of the discussion find themselves in an arms race of emotionally charged arguments, the documentary Asyland draws attention to the most important issue in the discussion.

Of refugees and asylees,
asylum seekers and migrants,
so many names – no face.
Third person, stranger, unknown…
It’s the people
no one talks about.
– Michael Fenske

The biggest mistake of our discussion about refugees is, that we just talk about, not to them. A young team led by the student Çağdaş Yüksel has changed that. Last year they shot and published the movie Asyland (Click here for the trailer), which shows four people who arrived in Germany quite recently.

The filmmakers deliberatly rely on showing versatility. Their documentary was shot in Mönchengladbach, Berlin and Stuttgart. The protagonists escaped from Palestine, Egypt, Syria and Tunisia, but a Member of the german parliament, two actors and the comedian Fatih Çevikkollu are featured, too. Scenes of everyday life in a refugee hostel in Mönchengladbach are shown, as well as a picnic with volunteers on the grounds of the former airfield Tempelhof in Berlin. You can observe the arrived at their first attempts in German language course, learn about the hardship of finding a job and be happy with them, when they at least find an internship.

Again and again, excerpts from interviews with the refugees are shown. Siham Al Mashhour reports of her time and the suffering in a Syrian prison. Haythem Dabeba talks about a dangerous situation with „concerned“ adolescents, from which he escaped narrowly. The experiences of Khalil Aziz are more gratifying. He has found in Berlin new friends and refers to the little Christmas party with them as the most beautiful day in his life. The film even makes the audience laugh in some parts. For example, when George Awad talks about his „Nazi“-neighbour who  he just invited over for a cup of coffee and can easily talk to since then.

Asyland definitely plays with the emotions of its audience. The film is not objective or sober. It is not a „Yes-But“-production. No desperate attempt to refute prejudices of right misanthropists. It just shows Germany from the perspective of refugees. It is simply human. And that is its strength.
In one scene, George Awad speaks about two worlds in our country. Refugees are living in Germany, but so far away from the German people, that they are imprisoned in their own world. The film tears down the wall that separates these two worlds. In the next step, the people of both worlds just have to meet.

The film project Asyland was financed by donations. The team is touring cinemas, schools and universities. Mostly with free admission. On the website you will find the dates for the next showings and a trailer. Also a DVD is offered for purchase. The Facebook page is worth a visit, too.

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